Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Lahnstein hat dem Antrag der SPD zugestimmt, die Einführung eines zweckgebundenen Gästebeitrags zu prüfen. Damit ist der Weg frei für ein zukunftsorientiertes rechtssichereres Finanzierungsmodell, das Tourismusentwicklung, Mobilitätsangebote und digitale Gästekarten zusammenführt. Die Stadt Lahnstein übernimmt dabei eine Vorreiterrolle.

„Ein moderner Tourismusstandort braucht stabile Finanzierungsgrundlagen“, so die beiden SPD-Ortsvorsitzenden Judith Ulrich und Jochen Sachsenhauser. Mit der Reform des Kommunalabgabengesetzes im März 2023 haben Kommunen in Rheinland-Pfalz neue Möglichkeiten erhalten, Tagesgäste einzubeziehen und auch Leistungen im Bereich öffentlicher Nahverkehr sowie Kosten für touristische Infrastruktur – selbst außerhalb der Stadtgrenzen – in die Kalkulation einzubeziehen. Diese Zweckbindung unterscheidet den Gästebeitrag deutlich von der sogenannten Bettensteuer. Die zusätzliche Einnahmequelle soll ausschließlich in touristische Leistungen reinvestiert werden. Auch der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA sowie der Tourismus- und Heilbäderverband begrüßen dieses Modell.

Ein entscheidendes Ziel der geplanten Tourismusabgabe ist die Einführung einer einheitlichen, digitalen Gästekarte mit inkludierter ÖPNV-Nutzung. Anfang Juni 2025 soll in enger Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung Rhein-Lahn und deren Geschäftsführerin Tanja Steeg das weitere Vorgehen abgestimmt werden. Lahnstein kann dabei als Pilotstandort für die Region fungieren. Ziel sollte sein, eine flächendeckende Gästekarte im Rhein-Lahn-Kreis zu etablieren, die nicht nur den öffentlichen Nahverkehr, sondern auch touristische Angebote in der Region abdeckt.
Landtagskandidatin Adriana Kauth sieht im Vorhaben einen wichtigen Hebel für nachhaltige Regionalentwicklung: „Wenn wir wollen, dass Menschen ohne Auto anreisen, dann müssen wir ihnen attraktive, verlässliche Angebote machen. Eine Gästekarte, die Bus- und Bahnfahrten einschließt, ist nicht nur eine Einladung zum Besuch, ein Aushängeschild für den lokalen Tourismus, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz.“
Andere Regionen zeigen, dass solche Konzepte funktionieren: In Bad Neuenahr-Ahrweiler genießen Gäste seit Jahren eine Gästekarte mit ÖPNV-Ticket – verbunden mit Vergünstigungen in Freizeiteinrichtungen und bei Stadtführungen. Auch die Verbandsgemeinde Gerolstein nutzt seit Anfang 2024 eine digitale Gästekarte als Erfolgsmodell. Für Lahnstein bedeutet das: Die Einführung ist rechtlich abgesichert, finanziell tragfähig und in der Praxis erprobt.
„Wir haben die Chance, mit Lahnstein Teil eines regional abgestimmten, nachhaltigen Tourismuskonzepts zu werden“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Perry Metten-Golly. „Eine digitale überregionale Gästekarte wäre ein Quantensprung – für die Attraktivität unserer Stadt, für die Anbindung an den Nahverkehr und für eine kluge, zweckgebundene Finanzierung des Tourismus.“